Hamburg Company Tour: Womit punktet ein Mittelständler unter Großkonzernen?

Events wie die Hamburg Company Tour bieten Studierenden die Möglichkeit, an einem Tag gleich mehrere Unternehmen kennen zu lernen. Darüber berichteten bereits Recrutainment und ein früherer Beitrag in diesem Blog. Auch gibt es eine vergleichbare Veranstaltung in München, den Jobathlon. Angesichts von Namen wie z.B. Otto oder Unilever fällt die comdirect bank AG aus der Reihe – Grund genug der Sache nachzugehen.

Sina GunkelWas bringt ein Unternehmen dazu, ein solches Veranstaltungsformat zu nutzen? Und macht es für ein mittelständisches Unternehmen überhaupt Sinn, sich neben Großunternehmen zu präsentieren?

Sina Gunkel von der Commerzbank-Tochter comdirect hat sich Zeit genommen, meine Fragen zu beantworten. Sina ist bei der comdirect verantwortlich für die Themen Personalmarketing und Nachwuchssicherung.

Wie kam es zur Teilnahme der comdirect an der Hamburg Company Tour?

Die comdirect ist bereits seit mehreren Jahren Mitglied im Hamburger Personalmarketingkreis. Dort tauschen wir uns mit verschiedenen Hamburger Unternehmen zu aktuellen Trends rund um das Thema Personalmarketing aus. In diesem Kreis kam 2007 die Idee auf, Studenten nicht nur im Rahmen einer klassischen Messe anzusprechen, sondern sie direkt zu uns in die Unternehmen einzuladen. So ist die Hamburg Company Tour entstanden.

Womit punktet Ihr bei Eurer Unternehmenspräsentation gegenüber Großkonzernen?

Eine Teilnehmerin informiert sich über das UnternehmenUnsere Stärken als mittelständisches Unternehmen sind vor allem flache Hierarchien, Dynamik und Tempo. Die comdirect zeichnet sich darüber hinaus durch eine stark projektgetriebene Kultur aus. Themen werden schnell voran getrieben, weil die Bereiche untereinander so gut vernetzt sind und gemeinsam an der besten Lösung arbeiten.

Berufs­einsteiger lernen bei uns so sofort ein breites Feld an spannenden Aufgaben kennen. Sie bauen viel Projekt­management-Knowhow auf und durch die Projektarbeit arbeiten sie zudem über die eigene Abteilung hinaus mit unterschiedlichsten Kollegen zusammen. Auf diese Weise lernt man sehr schnell viel von der Bank kennen.

Diese spannenden Einstiegsmöglichkeiten überraschen viele Teilnehmer. Viele meinen, bei uns könne man nur mit einer klassischen Bankausbildung und einem BWL-Studium arbeiten. Dabei haben wir hier Kollegen mit ganz unterschiedlichen fachlichen Hintergründen.

Wie schafft Ihr es zu zeigen, was die comdirect ausmacht?

Vortrag eines ehemaligen GraduatesDurch unterschiedliche Einblicke in unser Unternehmen. Die Besucher lernen Kollegen aus dem Haus kennen: Praktikanten, aktuelle Graduates – das sind unsere Trainees – und ehemalige Graduates, die mittlerweile in einer Spezialistenposition bei uns tätig sind. Die Kollegen berichten in kleinen Austauschrunden mit jeweils etwa drei Studenten von ihrem beruflichen Werdegang und beantworten Fragen rund um die comdirect und unsere Unternehmens­kultur. Außerdem führen wir eine Case Study durch, um einen Einblick zu geben, woran wir hier so arbeiten.

Was ist dabei die größte Herausforderung?

Ein Mitarbeiter aus dem Risikocontrolling stellt sich vorDa wir ausschließlich national tätig sind, haben viele potenzielle Bewerberinnen und Bewerbern uns zunächst nicht auf ihrem Radar. Die Herausforderung für uns besteht darin, die Neugierde der Teilnehmer zu wecken und die Vorzüge einer Tätigkeit bei der comdirect herauszustellen. Dazu gehören die intensive und direkte Kommunikationskultur, die Möglichkeit, schnell Verantwortung zu übernehmen oder die Arbeit in übergreifenden Projekt­teams. Und natürlich sind wir Teil eines Großkonzerns, der auch zahlreiche Entwick­lungsmöglichkeiten bietet. Diese Alleinstellungsmerkmale der comdirect werden von Praktikanten und Berufseinsteigern regelmäßig positiv bewertet.

Die HHCT fand kürzlich zum vierten Mal statt. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Hat sich über die Jahre etwas verändert?

Die Möglichkeit bei den Gesprächsrunden in den direkten Austausch mit den comdirect-Kollegen zu kommen, ist bei den Studenten sehr gut angekommen. Fast alle waren am Ende des Tages positiv überrascht und begeistert, wie es bei uns hinter den Kulissen aussieht. Dazu gehört sicher auch, dass wir so gar nicht dem Klischee einer konservativen und steifen Bank entsprechen.

Welches Feedback bekommt ihr von den Teilnehmern? Zahlt sich eure Teilnahme an der HHCT letztlich trotz – oder vielleicht gerade wegen – der großen Namen aus?

Teilnehmende Unternehmen bei der Hamburg Company Tour 2011Die Teilnahme zahlt sich für uns auf alle Fälle aus. Die Feedbackauswertung zeigt, dass wir viele Studenten für die comdirect begeistern konnten. Im Oktober 2011 startet unser nächster Graduate-Jahrgang und wir freuen uns riesig über die Bewerbungen aus den Reihen der Teilnehmer. Eine Studentin, die wir auf der HHCT kennen gelernt haben, konnten wir bereits für unser Graduate-Programm gewinnen!

Vielen Dank für diesen Blick hinter die Kulissen und weiterhin viel Erfolg bei der Suche nach Kandidatinnen und Kandidaten für euren Graduate-Jahrgang 2011!

Übrigens: Man kann sich für den Jobathlon in München (am 2. Dezember 2011) schon jetzt auf https://www.ikom.tum.de/jobathlon bewerben. Die nächste Hamburg Company Tour findet voraussichtlich im Mai 2012 statt.

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Multi-Company-Events als Mehrwert für Studierende (und Unternehmen)

Social Media-Aktivitäten bestimmen die Gespräche der HRler und Berater im Netz. Das ist natürlich der Verwandtschaft des Mediums mit dem Trend der letzten Jahre geschuldet. Teilweise wird aber auch versäumt, den Nutzen realer Events ausreichend zu würdigen. Meines Erachtens kann Social Media nur als Toolbox dienen, um die Stärken des persönlichen Kontakts und Erlebens zumindest im Ansatz ins Internet zu übertragen. Doch oft höre ich aus verschiedensten Artikeln und Empfehlungen eher die Idee “Social Media als Selbstzweck” heraus.

Aus diesem Grund möchte ich zwei Veranstaltungen vorstellen, die ich halb aus Unternehmens- und halb aus Studentensicht miterleben konnte: die Hamburg Company Tour und den Jobathlon in München. Zwar findet die eine Veranstaltung ganz im Norden und die andere im Süden der Republik statt (der Recrutainment-Blog hat bereits auf die Company Tour hingewiesen), doch ist beiden einiges gemein: Sowohl die HHCT und der Jobathlon werden von Studentenorganisationen (Hanseatic Consulting und IKOM) geplant und umgesetzt. Auch können bei beiden Events für jeweils zwei Stunden drei attraktive Unternehmen besucht werden. Das ist auch schon der entscheidende Faktor: Mir als Student ist es weder auf einer Hochschulmesse, bei einem Workshop oder im Internet möglich, binnen so kurzer Zeit mehrere Unternehmen unter die Lupe zu nehmen und für mich zu überprüfen, ob eines davon vielleicht der potenzielle (Traum-)Arbeitgeber sein könnte.

Hamburg Company Tour 2011 (Quelle: http://www.hamburg-company-tour.de/)

Teilnehmende Unternehmen bei der Hamburg Company Tour 2011Doch wie lerne ich ein Unternehmen in zwei Stunden kennen, um möglicherweise eine Entscheidung dafür oder dagegen treffen zu können? Mit welchen Erwartungen gehe ich in den Tag? – Grundsätzlich entscheide ich als Teilnehmer erst einmal darüber, ob ich der Ingenieurs- bzw. Techniker- oder der Wirtschaftswissenschaftler-Route folge. Dann kann ich eventuell noch ein Wunschunternehmen angeben – etwa den hochrangigen Konzern, der ganz weit oben in den Arbeitgeberrankings steht oder das Unternehmen, das ich bereits als Werkstudent unterstützen konnte. Und nach einem gemeinsamen Frühstück starte ich schließlich zum ersten Unternehmen… Dort reicht die Palette der Angebote von Unternehmenspräsentationen, über Workshops, bis hin zu Werksbesichtigungen und Speed-Dating mit Trainees und/oder Führungskräften.

Je nach persönlicher Erwartungshaltung kann ich mich schon von Beginn an langweilen, desinteressiert zeigen oder mich aber durchaus positiv überraschen lassen. Vielleicht bietet das mittelständische Unternehmen ja doch ein spannendes Arbeitsumfeld, in dem sich eben noch viel bewegen lässt? Vielleicht ist das urbayerische Unternehmen doch viel internationaler als gedacht? Mein Wunschunternehmen könnte in der persönlichen Präsentationen zu professionell und distanziert wirken, ein anderes – und das hatte ich gar nicht auf dem Zettel – möglicherweise persönlich erscheinen und Humor beweisen… Meine eigene Erfahrung ist, dass sich schon in den besagten zwei Stunden die Kultur eines Unternehmens bemerkbar machen kann. Ganz deutlich habe ich das auf der Hamburg Company Tour 2009 mitbekommen, wo ich als Praktikant einen Tourbus auch zu den zwei anderen Unternehmen der Route begleiten konnte und ganz nah an den Teilnehmern dran war. Es war spannend, einfach mal zuzuhören, wie die Studentinnen und Studenten die verschiedenen potenziellen Arbeitgeber wahrgenommen haben – und es gab erstaunlich viele Gemeinsamkeiten bei den Beobachtungen.

Jobathlon 2010 (Quelle: http://www.facebook.com/group.php?gid=110114744002)

Logo Jobathlon 2010Am Abend bieten beide Events noch einmal die Möglichkeit bei einem Get Together mit den Unternehmensvertretern und Recruitern ins Gespräch zu kommen. Bis dahin hat sich der eine oder andere Favorit herauskristallisiert oder ein Überraschungsunternehmen die Neugierde geweckt. – Was nehme ich als Student aber letztlich überhaupt von dem Tag mit? 2009 wurde die Company Tour im Hamburger Abendblatt als reine Imageveranstaltung dargestellt, die den Teilnehmern nicht das bot, was sie anscheinend haben wollten: Einstiegspositionen. In Bezug auf diesen Punkt haben sich die Zeiten hin zum Positiven gewandelt: Viele der teilnehmenden Unternehmen bringen wieder Stellenanzeigen für Einstiegspositionen mit. Darüber hinaus bleibt aber auf jeden Fall die Chance, mal nicht zu sehr auf die Arbeitgeber-Rankings und die Aussagen der Medien zu vertrauen, wer denn eigentlich ein angesagter Arbeitgeber ist. Es ergibt sich endlich die Gelegenheit, sich ein eigenes Bild zu machen und ggf. ein Praktikum anzuschließen oder die Bewerbung auf den Weg zu bringen. Und das können Social Media-Aktivitäten (bisher) nicht bieten!

Auch als teilnehmendes Unternehmen profitiere ich von der Aufmachung der Veranstaltung: Wann besteht sonst die Möglichkeit mehr als 60 Studierende an einem Tag intensiv und interaktiv anzusprechen und sie fernab von Image- und Stellenanzeigen – vielleicht auch mal unkonventionell – von sich als Arbeitgeber zu überzeugen? Die Anzahl an Bewerbungen und Rekrutierungen in Folge des Jobathlons oder der Hamburg Company Tour sollten außerdem bei den meisten Unternehmen deutlich höher liegen, als bei Hochschulmessen, vor allem aber als bei den Social Media-Aktivitäten. Sicherlich ist es riskant, sich mit mehreren hochkarätigen Arbeitgebern an einem Tag messen zu müssen. Doch kreative Ideen und eine authentische Präsentation sowie ein angenehmer Umgang mit den Studierenden sind schon mehr als eine solide Basis für ein solches Event.